TOGETHER independent: LEIT & HELD

Foto: Dana Mikoleit, Nina Conrad und Pia Held von LEIT & Held

Foto: Dana Mikoleit, Nina Conrad und Pia Held von LEIT & Held

9 Fragen an Pia Held von LEIT & HELD

“Wir sehen LEIT & HELD nicht als bloßes Taschenlabel, sondern idealerweise als Bewegung, als Teil von etwas Größerem.” Gemeinsam mit ihren Mitgründerinnen, der Innenarchitektin Dana Mikoleit und der Nachhaltigkeitsforscherin Nina Conrad, hat Pia Held vor 3 Jahren das nachhaltige Leder-Label LEIT & HELD ins Leben gerufen. Dabei geht es den dreien nicht allein um das Design und die Erforschung von Materialität und minimalistischer Formensprache, sie haben sogar eine eigene Wertschöpfungskette entwickelt. Wie genau diese aussieht und welche Bewegung hinter LEIT & HELD steckt, erzählt uns die Art Direktorin im Interview.

Wer bist du und worum geht es bei LEIT & HELD?

Ich bin Pia, Kreativdirektorin und eine der drei Mitgründerinnen des Slow-Fashion Label LEIT & HELD. Ich bin zuständig für alles, was die Marke und dessen Kommunikation betrifft.

Wir sind ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Dana Mikoleit (Innenarchitektin) und Nina Conrad (Nachhaltigkeitsforscherin) und mir, Pia Held (Art Direktorin).

Bei LEIT & HELD entwickeln wir hochwertige, minimalistische und langlebige Lederprodukte aus einer konsequent rückverfolgbaren Wertschöpfungskette, die wir selbst aufgebaut haben. Von der artgerechten Haltung und Schlachtung süddeutscher Bio-Rindern über die pflanzliche Gerbung der Tierhäute bis hin zur Fertigung in einer familiengeführten Manufaktur passiert alles bei uns auf deutschem Boden.

Welche Mission steckt hinter eurem Label?

Leder ist nicht nur ein langlebiges Naturmaterial, das wunderschön altert, sondern auch ein Nebenprodukt der Fleisch- und Milchindustrie. Solange die Menschen Fleisch- und Milchprodukte konsumieren, macht es Sinn, diesen Rohstoff als Material zu nutzen und zu zeitlosen Ledertaschen und -Accessoires weiter zu verarbeiten. 

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Wir möchten mit unserem Projekt nicht nur einen achtsameren Konsum anregen, sondern generell die Textil- und Lederindustrie innovieren. Mehr Transparenz, sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit sind in der Modeindustrie möglich, wenn die Bereitschaft für ein Umdenken vorhanden ist. Wir lassen andere Labels an unseren Erkenntnissen teilhaben, arbeiten in diesem Prozess gerne gemeinsam, um einen Wandel zu ermöglichen.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch mit einem eigenen Leder-Label selbstständig zu machen?

Das Label ist relativ spontan und organisch entstanden. 

Dana und ich haben uns vor knapp 3 Jahren auf diese gemeinsame Reise begeben. Damals ging es uns aufgrund unserer sich gut ergänzenden Talente hauptsächlich um die Freude am gemeinsamen kreativen Schaffen, um das Design und die Erforschung von Materialität und minimalistischer Formensprache.

Uns hat die Frage beschäftigt, wie aus Leder mit möglichst wenig Materialaufwand und -verschnitt eine schöne, funktionale und zeitlose Tasche wird. Erst im Laufe des Prozesses wurde die Auseinandersetzung mit dem Material und dessen Herkunft – und damit dem Tier –  dann immer relevanter und unumgänglicher. 

Als wir durch Portugal reisten und Partnerschaften mit Manufakturen und Gerbereien eingingen, wurde uns klar, wie intransparent und schmutzig die Lederbranche ist. Uns war klar: Die Welt braucht keine weitere Ledertasche, solange diese nicht Sinn macht, oder zumindest von glücklichen Kühen kommt.

Nach einer kleinen Krise haben wir nochmal von vorne angefangen, die Perspektive gewechselt, in Deutschland lokale Biobetriebe besucht und viel Recherche zum Thema Nachhaltigkeit betrieben.


Foto: LEIT & HELD

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Zu dieser Zeit trafen wir unsere dritte Partnerin Nina auf einem Fair-Fashion-Event in Berlin. Nina ist Expertin für nachhaltige Lieferketten. Wir haben uns mit ihr zusammengetan und an der gemeinsamen Vision gearbeitet, eine eigene Lieferkette aufzubauen. Erst dann haben wir das ganze professionell aufgebaut und gemeinsam eine GmbH gegründet. September letzten Jahres haben wir offiziell unseren Launch gefeiert.

Welche Rolle spielt eure Community für LEIT & HELD und deinen persönlichen Arbeitsalltag?

Unsere Community spielt eine wichtige Rolle. Wir sehen LEIT & HELD nicht als bloßes Taschenlabel, sondern idealerweise als Bewegung, als Teil von etwas Größerem. Die Produkte stehen für eine Haltung – für Ehrlichkeit, Transparenz und Langlebigkeit, die Rückkehr zum Ursprünglichen, Essentiellen, der Natur und natürlichen Materialien. All das lässt sich sich automatisch auf unser alltägliches Leben übertragen. Egal bei welcher Kaufentscheidung, durch dieses Projekt treffe ich sie bewusster und hinterfrage viel mehr den Ursprung und den Wert von Produkten, ob ich es wirklich brauche und ob es das Potential hat, lange bei mir zu bleiben.

Auch zu unseren Partnern – also alle die in unser Projekt involviert sind: die Bio-Bauernhöfe, der Schlachthof fairfleisch, die Gerberei und Manufaktur, aber auch die Läden – haben wir durch das gemeinsame Mindset ein enges Verhältnis und unterstützen uns gegenseitig.


Warst du jemals in einem großen Konzern o.ä. angestellt? 

Ja, aber zum Glück nur als Freelancer! (lacht)


Wie fühlt sich es sich an, ein eigenes Label zu haben?

Befreiend und empowernd. Mein Arbeitsalltag ist voller Möglichkeiten, aufregend und ich habe ein tolles Team. 


Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? 

Ich lege viel Wert auf meine eigenen Routinen, bevor ich ins Büro fahre. Ich stehe früh morgens auf, um zu meditieren, Yoga zu machen und mir ein schönes Frühstück zuzubereiten. Dann fahre ich in unser Büro, das wir uns mit dem Team von KAFFEEFORM teilen. Dort arbeite ich 3,5 Tage die Woche mit den 2 Partnerin meines zweiten Unternehmens LINEATUR (Studio für Branding & Innenarchitektur) zusammen an unseren Projekten. 1,5 Tage widmen Dana und ich uns LEIT & HELD, haben regelmäßige virtuelle Meetings mit Nina in der Schweiz und treffen uns als Team alle 2-3 Monate für Team-Workshops, auf Events, Messen etc. An Sonntagen sind Dana und ich oft in unserer „Werkstatt“ (aka Danas Wohnzimmer, wo auch ihre Ledermashcine steht) und entwickeln weitere Prototypen.

Foto: LEIT & HELD

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Worauf bist du besonders stolz?

Darauf, dass ich mir bisher immer den Mut und die Leichtigkeit beibehalten habe, Dinge einfach zu machen, meiner Intuition nachzugehen, Zeichen zu folgen, Türen zu öffnen, Risiken einzugehen und zu vertrauen. Darauf, vor 4 Jahren selbstständig gemacht zu haben und mittlerweile 2 weitere Unternehmen gegründet zu haben, die mir Freude machen und erfolgreich sind.

Was bedeutet independent für dich? 

Freiheit.

Welches andere independent-Label kannst du uns empfehlen? 

Zu viele, zum Beispiel:

Paloma wool

Suel store

St agni

The Bodysuit Barcelona

Ryoko

Yellow nose studio

We are studiostudio

Studio osoi

Vielen Dank, liebe Pia!